Telemachos Kanthos 1910 – 1993

Telemachos Kanthos

Telemachos Kanthos, der griechisch-zyprische Maler, Graphiker, Lehrer und Bühnenbildner, wurde 1910 im Gebirgsdorf Alona in Zypern geboren und starb am 18. November 1993 in Nikosia.

Von 1929-39, mit einer Unterbrechung zwischen 1932 und 1934, studierte er am Kunstfachbereich des Athener  Polytechneion und an der Hochschule der Künste in Athen. Seine Lehrer waren  Spyros Vikatos, Umbertos Argyros und Dimitrios Biskinis für Malerei und Yiannis Kefallinos für Graphik. Er gehört der berühmten „Generation der Dreißiger Jahre“ an, wie auch seine Studienkollegen Y. Moralis, Y. Tsarouchis, N. Engonopoulos, Tassos, G. Demou, D. Daniel und G. Manoussakis. Das Werk von Yiannis Kefallinos – in der Graphik – und die Malerei  Cézannes und anderer französischer Zeitgenossen beeinflussten und prägten die Kunst des jungen Kanthos viel mehr als seine eher konservativen Malereilehrer.

Noch während seines Studiums arbeitete Kanthos für ELKA, eine Gesellschaft für graphische Künste, in Athen und Korfu. Der  Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zwang ihn 1939 – kurz vor seiner Diplomprüfung – sein Studium abzubrechen und nach Zypern zurückzukehren. Erst 1956, bekam er die Gelegenheit seine Diplomprüfung an der Hochschule der Künste in Athen abzulegen. Die Jahre 1939-1942 verbrachte Telemachos Kanthos in seinem Geburtsort Alona. Mit Ölmalerei konnte er sich während dieser Zeit kaum befassen; mangels entsprechender Materialien war er gezwungen, sich auf Aquarellmalerei und Zeichnungen zu beschränken, und schlug sich mit gelegentlichen Buchillustrationen durch. 1942 nahm er eine Stellung als Lehrer am Gymnasium in Famagusta an, wo er in den folgenden zwei Jahren arbeitete, und widmete einen Großteil seiner Zeit dem neu etablierten Theater Zyperns als Bühnen- und Kostümbildner.

1949 hielt sich der Künstler für fünf Monate in Europa auf  und besuchte wichtige Museen und Galerien, hauptsächlich in London, aber auch in Paris. Während seines Aufenthalts in London  beschäftigte er sich unter anderem an der Heatherley’s School of Art mit Aktzeichnen. Auf der Rückreise nach Zypern, wo er eine Stelle als Lehrer am Pankyprion Gymnasion angenommen hatte, besuchte er Italien. Kanthos blieb in Kontakt mit den europäischen Kunstzentren und besuchte sie auch später regelmäßig. Zwischen 1981 und 1993 verbrachte er einige Zeit in Wien, wo seine Töchter lebten und eine musikalische Laufbahn verfolgten. Wichtige Zeichnungen und Ölbilder entstanden während seiner Wiener Besuche.

Einzelausstellungen fanden in Famagusta 1934, Nicosia 1940, 1959, 1973, 1979, 1985, 1989, Athen 1972, 1982 und Wien 1991 statt, sowie posthum in London 1996, Berlin, 2004 und Helsinki, 2008. Der Künstler repräsentierte Zypern in vielen internationalen Ausstellungen.

Schon früh galt sein Interesse der menschlichen Gestalt, dem Porträt und der Landschaft. In seiner Art, Fläche und Farbe, Form und Hintergrund aufeinander abzustimmen, ging er stets über  äußerliche Details hinaus, um das Gefühl für den Raum und den tieferen Sinn zu vermitteln. Sein Werk zeichnet sich vor allem durch eine Farbgebung von einzigartiger Klarheit und Leuchtkraft. Kanthos war überzeugt, dass Künstler  frei sind, sowohl in die Vergangenheit als auch in die Zukunft zu blicken. Er wählte bewusst den Impressionismus als seinen persönlichen Ausgangspunkt und erklärte, dass er auf Erfahrungen in diesem Stil nicht verzichten wolle. Letztendlich  fand  er in späteren Stadien seiner Kunst seinen eigenen Weg zur Abstraktion. Seine Gabe, unter die Oberfläche zu dringen, Stimmungen zu empfangen und verborgene Gefühlswelten aufzuspüren, ist eine seiner größten Stärken und verleiht seinem Werk eine unmittelbare Ausdruckskraft.

In der Zeit nach dem Krieg in Zypern, 1974, entstanden einige monumentale Ölbilder, die   den vorwiegend für seinen lyrischen Stil bekannten Kanthos von  seiner dramatischen Seite  zeigen. Ebenfalls von starker Dramatik geprägt ist seine Serie „Die harten Jahre“, welche zur selben Zeit entstand und zwölf Holzschnitte umfasst. Diese Werke zeugen von künstlerischer Reife, Ausdruckskraft und großem handwerklichen Können. In ihrer Schlichtheit  weisen sie eine starke Symbolik auf und beeindrucken durch ihre kraftvolle und unmittelbare Wirkung. Ihre Aussagekraft liegt in der starken emotionalen Innigkeit. Diese Serie wurde 1984, auf der XV. Biennale von Alexandria, ausgezeichnet.

Telemachos Kanthos wurde 1979 von der Athener Akademie mit dem „Alexandros Diomedes“ Preis  für sein Lebenswerk ausgezeichnet.

Last Updated on April 2, 2024